
Kaum ein Medikament, zumindest in der Allergietherapie, ist so verpönt wie das Cortison; dabei wird dieser Stoff nicht nur von den Patienten, sondern auch von den Ärzten kontrovers diskutiert. Was aber ist denn Cortison eigentlich, und wie kommt es zu der etwas zweifelhaften Prominenz dieses Medikamentes?
Zunächst sollte man besser von Kortikoiden oder noch besser von Glukokortikoiden sprechen, da Cortison nur ein Mitglied der großen Glukokortikoidfamilie ist. Kortikoide sind körpereigene Hormone, die in der Rinde der Nebennieren gebildet werden. Ihre Aufgaben sind vielfältig; in Bezug auf die Allergietherapie interessieren uns vor allem die Wirkungen auf das Immunsystem. Glukokortikoide unterdrücken Immunreaktionen schnell und wirksam, was vor allem in der Notfalltherapie oft von unschätzbarem Wert ist. Aber auch abseits von Notfällen hat das Cortison einen festen und berechtigten Platz in der Allergietherapie, wenn sichergestellt ist, dass es nicht unkritisch und vor allem nicht zu lange oder in zu hoher Dosierung angewendet wird. Denn Tatsache ist, dass Kortikoide zu nicht unerheblichen Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Hautverdünnung, Akne und anderen führen kann.
Diese Erfahrung hat man gemacht, als in den fünfziger Jahren Cortisonpräparate neu auf dem Markt kamen und plötzlich die Behandlung von Krankheiten ermöglichte, die zuvor nur sehr wenig zufriedenstellend therapiert werden konnten, zum Beispiel quälender Juckreiz, rheumatische Erkrankungen und - natürlich - Überempfindlichkeitsreaktionen. Fortan als Wundermittel leichtfertig eingesetzt, traten bald in großer Zahl ernsthafte Nebenwirkungen auf.
Mittlerweile gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl unterschiedlicher Cortisonpräparate mit unterschiedlicher Wirksamkeit (die stärksten, zum Teil synthetisch entwickelten Formen sind ca. 200 mal wirksamer als die schwachen Kortikoide) und mit verwirrenden Namen wie "Betamethasonvalerat", "Triamcinolonacetonid" oder "Halomethasonmonohydrat". Aber nur keine Angst, derartige Buchstabenansammlungen müssen nur Ärzte und Apotheker auswendig lernen; an dieser Stelle dienen sie nur der Verdeutlichung: Cortison ist nicht gleich Cortison. Das bedeutet aber auch, dass Kortikoide auf gar keinen Fall in eigener Regie eingenommen werden dürfen: Die Entscheidung über sowohl Dosierung als auch Präparat obliegt einzig und allein Ihrem Arzt! Bei der Vielzahl an unterschiedlich starken Präparaten kann ein unbedacht eingenommenes Kortikoid zur reinsten Nebenwirkungs-Lotterie werden.
Wer sollte Cortison einnehmen?
Glukokortikoide sind ein wirksamer Rettungsanker, wenn andere Therapieansätze nicht die erwünschte Wirkung zeigen. Äußerlich und lokal angewendet, beispielsweise als Salbe oder auch in der Asthmatherapie als Inhalationsspray, sind sie zwar nicht frei von Nebenwirkungen, aber ihr Auftreten ist bei korrekter Befolgung der Anweisungen, wie das Präparat anzuwenden ist, nicht sehr wahrscheinlich. Trotzdem muss die Empfehlung wiederholt werden, Kortikoide nicht leichtfertig anzuwenden, auf jeden Fall aber nicht ohne fachlichen Rat.
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